Mundarten (Dialekt) in Nordböhmen

Mundarten (Dialekt) in Nordböhmen

Beitragvon Mario » Sa 28. Sep 2013, 16:55

In einer Chronik über Bürgstein und Johannesdorf fand ich folgenden interessanten Beitrag:

Brauch und Sitte
Über Mundarten in unserer Gegend.

In unserem Landstrich sprach man vor allem die sogenannte "Schlesische Volksmundart"; das bewies die häufige Anwendung des Füllwortes "ok" statt "nur". Sätze, wie die folgenden, hörte man oft: "kúmm ok hàr!" "Gih ok wàg!" "Bleib ok drhème!"

Einige übliche, volkstümliche Ausdrücke seien hier angeführt:

Absche = Eberesche (der Baum)
äfften = spuken, bei unheimlichen Erscheinungen
ärschlich = rücklings
bale = bald
barbs = barfüßig
beschummeln = betrügen, hintergehen
bitzeln = in kleine Stücke zerschneiden, besonders bei Papier und Kleiderstoffen
Brinkl = ein kleines Stückchen, besonders vom Gebäck
Driseln = auf- und zudrehen von Fäden
drnouchern = hernach
Dròsch = unnötigen Lärm machen
fippern = zitternde, kaum von den Augen bemerkbare Bewegung
fischpern = leise, halblaut reden
fitscheln = hin- und herreiben
Fluntsche = verächtliches Verzerren des Mundes
fùzen = zornig, barsch anreden
gàle = gelb (grünlichgelb)
geckern = stottern
gèliche = plötzlich, jählings
Gribsch = das Gehäuse im Kernobst, auch die Kehlkopfknochen am Halse
Grife = der beim Ausbraten des Specks übrig bleibende Teil
grobschen = hastig nach etwas greifen
grandich = zornig
g'schnappig = keck, vorlaut
gurksen = rülpsen
Gusche = Mund
hakl = wählerisch in Speisen
Haksch = männliches Kaninchen
hàmsch = tückisch, grob
Haxe = Bein, Fuß
Hetl = Häuptl beim Salat und Kohl
hinte = heute Abend
Hulpern = Unebenheiten des gefrorenen Erdbodens
Hugst = Hochzeit
imendim = ringsherum
itzemòl = letzthin, vor einiger Zeit
jauern = wimmern, heulen
jèchen = schnell laufen, jagen, treiben
juxen = ausgelassen schreien (jauchzen)
Kampl = Kamm, auch großtuender Mann
Kaput = langer Männerrock
Kàte = junge, kräftige weibliche Person
Kaule = Kugel
kauzen = stark schreien
Keilhacker = große Stechmücke
Kibsen = mit Mühe reden oder schreien
kilstern = hüstelnd Schleim absondern
Kirmst = Kirchweihfest
Kize = hölzernes Behältnis für den Wetzstein des Mähers
kleistern = kleben, verschmieren
klintsch = sehr klein, winzig
Klippl = dickes, rundes Stück Holz
Klunkern = an zerrissenen Kleidern herunterhängende Fetzen
knatscheln = hörbar kauen
katscheln = mit zahnlosem Munde an etwas Festem herumkauen
knipsen = abzwicken mit merklichem Geräusch
Knups = eine höckerartige Erhöhung auf einer Fläche
Krampe = altes, mageres Pferd
Krùz = Zank und Streit
Lopsch = ein gutmütiger, schwachbegabter Mensch
Lòtschen = Pantoffeln
Loudn = lange Kopfhaare
Mauke = Brei aus Kartoffeln oder Mehl
Mizl = Katze
molkern = an einem weichen Gegenstand herumgreifen
Moutwulf = Maulwurf
Negl = der letzte Rest einer Flüssigkeit
nejtern = aneifern, anreizen; in lästiger Weise wiederholt bitten
nischeln = bei den Haaren oder Ohren ziehen
Nòl = Nagel
nochern = nachher
nòtschn = weinen
Nulde = Nadel
Nupper = Nachbar
nuscheln = undeutlich reden (durch die Nase)
Olmer = stehender hoher Kasten zum Aufbewahren des Brotes und anderen Eßwaren
orbern = beim Suchen eines Gegenstandes starkes Geräusch machen
Pärschl = Kopf
pempern = unregelmäßig läuten
penzen = bitten, antreiben
pfischeln = leise reden
Pinke = Geldkasse beim Spiel
Plampatsch = der Hochzeitsbitter
Plauze = Lunge, Brust
plejdernm = starkes Schneewehen
pràgeln = das Geräusch beim Schmelzen der Butter
preschen = jagen, eilig laufen
Prònz = das Angebrannte der Speisen im Innern der Kochgeschirre
Quarglwind = Wirbelwind
queiern = vor Schmerzen laut weinen
Rampftl = abgeschnittenes Randstück des Brotes
rankern = heftig und mit Geräusch bewegen
rappeln = nicht recht bei Sinnen sein
Reindl = kleine, runde Pfanne mit Stiel
Rettl = dicker Knüttl zum Spannen einer Kette
rumpeln = auf einer unebenen Fläche die Hand hin- und herbewegen
ruschlich = schnell, oberflächlich, liederlich arbeiten
schiech = scheu
Schippe = der Ecksitz einer Bank
Schliffl = grober, roher Mensch
Schlurgs = schlechter Kaffee oder schlechte Suppe
Schneuzl = kleiner Rinnenansatz am Rande eines Gefäßes zum leichteren Entleeren
schnibsen = kleine Gegenstände mit den Fingern fortschnellen
schweppern = wenn Flüssigkeiten über den Rand eines gefüllten Gefäßes fließen
Schwumpse (kriegen) = Schläge bekommen
Schwuppe = biegsamer Zweig der Weide, Birke, der Haselnußstaude
sejnern = nach etwas lüstern sein
Simt = Samstag
Stamper = kleines, kelchartiges Glas
Stießer = Sperber oder auch Habicht
Strohmer = Herumstreicher(Vagabund)
tàmsch = betäubt, verwirrt, drehend
temmern = mit den Füßen stampfen
Tachtl = Schlag ins Gesicht oder auf den Kopf
tolkern = ungeschickt, langsam arbeiten
treuge = trocken
trempeln = stark auftreten
Tropsch = alberner Mensch
Tschippel = junge Hühner
Tròsch (machen) = Unordnung, auch Lärm machen
Tolkn = weiches, rundes Gebäck
vàtn = voriges Jahr
Wàtsche = heftiger Schlag auf die Wange
worschteln (wergeln) = nach allen Seiten herumdrehen
Zauke = Maiglöckchen
zèkern = verlocken wollen
ziefern = vor Kälte zittern
Zulkern = lang herabhängende Fetzen am Kleide

Quelle: Chronik Bürgstein - Johannesdorf (S. 140-144)
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