Zur Ortsgeschichte von Neuhäusl und Plesse

Zur Ortsgeschichte von Neuhäusl und Plesse

Beitragvon Mario » Fr 23. Mär 2012, 23:05

NEUHÄUSL und PLESSE
Diese zu Schwoika eingemeindeten kleinen Orte liegen an der östlichen mit Wald bestandenen Lehne unter dem Eibenberg bzw. Weinberg (439m), am Wege, der 1/2 km hinter Schwoika an der Grenze von Altschiedel linksseitig von der Bezirksstraße nach Sohr/Zwitte/Lindenau führt. Plesse ist eine uralte slavische Siedlung und zählte zuletzt 15 Häuser. Der Ortsname stammt von "pleš", zu deutsch Kahler Fleck. Nur wenige Meter nordöstlich und mit Plesse fast zusammenhängend liegt Neuhäusl, gegründet im Jahre 1747 von dem damaligen Herrschaftsbesitzer von Schwoika Baron Jos. Ferdinand von Goltz, der dort zuerst 17 Häusl bauen ließ. Im Jahre 1887 hatte Neuhäusl 26 Häuser mit 140 Einwohnern. Zwischen Plesse und Neuhäusl hatten im Jahre 1778, während des sogenannten Kartoffelkrieges, die Preußen ihr Lager aufgrichtet, weshalb es dort fortan "in der Lager" hieß. Beide Orte warenbis 1785 zu Dobern eingepfarrt, danach zu Bürgstein. Etwa 2 km südlich von Schwoika, an der Straße die nach Pießnig führt, und in etwa gleicher Entfernung von Bokwen, liegt der kleine zu Schwoika eingemeindete Ort KLEIN-HAIDA mit 6 Häusern und 24 Einwohnern. Wahrscheinlich stammt dieser Ortsname von einer ursprünglich mit Heidekraut bewachsenen kahlen Fläche und erhielt erst nach 1692 das Vorwort KLEIN zur Unterscheidung mit der auch auf einem Heidekrautboden gegründeten Stadt HAIDA, denn das erste und älteste Bürgsteiner Kirchenbüchl (ab 1640) nennt die Einwohner von KLEIN-HAIDA - also bevor die Stadt HAIDA gegründet worden war - "von der Heyde". Diese Bewohner waren:

1641 - Mathes Grome,
1642 - Christoph Sieber,
1642 und 1657 - Görge Ziegenheim (ein Görge Ziegenheim war 16778 Kirchvater in Dobern).

Pfarramtlich gehörte KLEIN-HAIDA zu Bürgstein, mit Ausnahme der Jahre 1691-1786 zu Dobern. Eine schon vor 1600 "in der Heyde" bestehende kleine Mühle "an dem flößl unter dem forberigk teichl" war die sogenannte Froschmühle, später auch unter dem Namen Knochenstampe bekannt, weil in dieser Mühle die Knochenabfälle aus den Fleischereien und Gastwirtschaften der Umgebung gesammelt und zu Pulver zermalmt für Dünger und andere Mittel verarbeitet wurden. Die Froschmüller waren:

1592 - Wolf Richter
1597 - Jocuff Biener
1600/02 - Christoph Luderich
1606 - Merten Teufel
1607/08 - Adam Kreuchman
1615 - Matz Meisner

Die Froschmühle wurde 1695 neu gebaut und als Mahlmühle und Ölpresse von der Schwoikaer Grundobrigkeit im Jahre 1725 für 250 fl (Gulden) an den Untertan Joh. Adam Kreibig verkauft, der sie 1767 neu aufbaute. Im Jahre 1899 brannte sie ab. Die Froschmühle war auch als die niedere bekannt, weil eine zweite, die obere, im Jahre 1704 errichtet worden war, später aber verfiel.


Quelle: Ortsgeschichte von Bürgstein in Nordböhmen (Seite 397)
Mario
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